And the golden Tombstone goes to …

Das Goldene Brett hat Peter-Arthur Straubinger für seinen sog. Dokumentationsfilm »Am Anfang war das Licht« ja schon verdientermaßen abgeräumt und mit Humor und Esprit (ich würde eher behaupten: Zynismus) entgegengenommen. Ein Film, der die Esoterikmethode der »Lichtnahrung« beweihräuchert und solch hochgefährliche Gurus wie Jasmuheen (aka Ellen Greve), Hira Ratan Manek oder andere manipulative Scharlatane zu Wort kommen lässt.

Das Lichtfasten an sich und ein Film darüber könnten ja für den durchschnittlichen Skeptiker ganz witzig sein, und man könnte es als bekloppten Eso-Unfug abtun, hätte Prana bzw. Breatharianismus (so nennt man das Lichtfasten im Esosprech ebenfalls), ja, hätte diese Methode nicht bereits körperlich schwer Geschädigte und sogar Todesopfer gefordert.

Jetzt kann sich P. A. Straubinger ebenfalls in die Reihe derer stellen, die bereits durch esoterisches Gebrabbel und Pseudomedizin den ein oder anderen ins kühle Grab gebracht haben, denn zeigte sich eine Schweizerin namens Anna Gut (Name geändert) so begeistert von dem Lichtmampfstreifen und dem, was Frau Greve darin so von sich gibt, dass sie sich über Wochen zu Tode gehungert hat, wie der Schweizer Tagesanzeiger in einem ausführlichen Artikel berichtet. Da ich – vorsichtig gemutmaßt – keine suizidale Absicht dahinter sehen kann, komme ich zu dem Schluss, dass Frau Gut – von Straubingers Film motiviert – in ihrer Leichtgläubigkeit in den Tod getrieben wurde.

Den von mir vorhin erfundenen* Preis des »Goldenen Grabsteins für Tote durch Esoterik« hat Straubinger mit bisher nur einer Leiche sicher noch nicht verdient (da muss er sich erst einmal bei den Spinnern von der »Germanischen Neuen Medizin« und deren Favorite Serial Killer Ryke Geerd Hamer, oder beim »Krebsarzt« Dr. Matthias R. ganz weit hinten anstellen.), aber ein sicherer Anwärter für 2012 wäre er schon, denn vielleicht bleibt es ja nicht bei einer Toten (allerdings könnte in der Kategorie »Bekanntheitsgrad« durchaus noch ein Preis drin sein).

Hauen Sie ’rein, Herr Straubinger, die Bodycountskala ist nach oben offen.

Es ist zum Kotzen.

* ich sag mal ganz vorsichtig »erfunden«, wahrscheinlich war schon einer schneller als ich.

Weiterführende Links:

Tagesanzeiger

GWUP-Blog

esowatch

kritisch gedacht

Wie man es sich mit Stralsunder Tankstellenkassiererinnen versaut.

Sorry, kam nicht zum Posten, aber jetzt geht ’s wieder.

Auf der Fahrt nach Rügen kamen wir kurz vor dem Damm in Stralsund bei einer Tanke vorbei, bei der wir noch eben mal vollmachen wollten. Dies taten wir und ich ging in den Shop, des Löhnens wegen.

Als ich aber mit dem Kuli in der Hand da stand und darauf wartete, den Bon für die Kreditkartenzahlung zu unterzeichnen, fiel mein Blick direkt vor mir auf die aktuelle BILD mit dem Konterfei der schlimmen Margot, der Ehefrau des letzten Diktators Deutschlands. Da ging es wohl um den Film, in dem sich die schlimme Margot unbelehrbar, uneinsichtig und subfontanell unjustiert zeigte.

Ich konnte nicht anders.

Es zog meine Hand magisch zur BLÖD.

Ich malte Margot ein Hitlerbärtchen.

Quelle Original: NDR

Zufrieden blickte ich auf und sah ich die Kassiererin an.

Die Kassiererin starrte mich an.

Und sprach: »Wat solln dat?«

»Ich konnte nicht anders. Aber sieht doch jetzt viel besser aus. Oder?«

»Dit geht aber nich.«

»Nicht?«

Hatte ich jetzt Margot Honecker, den Führer, oder Springer beleidigt? Komisch, denn ich kann herzhaft darüber lachen, wenn einer ein Hitlerbärtchen gemalt bekommt, sei es Johannes Heesters oder ein Christian Ströbele, da bin ich ganz entspannt und da kommt mir eine Margot Honecker gerade recht.

»Schlimm? soll ich noch ein paar Schnörkel dranmalen? Dann sieht sie aus wie Hercule Poirot.«

»Wie soll ichn dit verkaufen? Dit kauft doch keiner mehr.«

Ach so, um den Mammon gings. Dann konnte es auch bei Hitler bleiben.

»Doch doch, das kauft ganz sicher noch einer. Einer findet das lustig. Bestimmt.«

Sie war offenbar misstrauisch. Hatte sicher schon schlechte Erfahrung mit spontaner Kunst gehabt.

»Nä, dit kauft keiner mehr, dit müssen Sie jetzt bezahlen.«

Ich hab bezahlt, aber die BILD mit meinem Kunstwerk liegen lassen, für die Allgemeinheit. Soweit kommts noch, dass ich der Öffentlichkeit eine solche Provokation vorenthalte.

Was für ein Land …

… ist das eigentlich, in dem man bei schönstem Wetter das Haus verlässt und am Markstand gegenüber auf so etwas blicken muss?

Ist es Kunst, die mir verborgen blieb? Eine Metapher auf die Vergänglichkeit der Schönheit, auf die Schwerkraft, Falten und Gewichtszunahme, oder auf Altersdiskriminierung und Jugendwahn? Trägst du solche Unterhosen, ist es aus? Vorbei? Früher String, heute Stütz?

Oder ist es wieder gut zu wissen, dass es die Unterhose gibt? Ich möchte den großen Robert Gernhardt zitieren:

Dich will ich loben, Hässliches,
Du hast so was Verlässliches.

Das Schöne schwindet, scheidet, flieht,
fast tut es weh, wenn man es sieht.

Wer Schönes anschaut, spürt die Zeit,
und Zeit meint stets: Bald ist ‘s so weit.

Das Schöne gibt uns Grund zur Trauer,
das Hässliche erfreut durch Dauer.

Wer weiß …

Aber immerhin ist die Frau mit der Drehorgel noch nicht aufgekreuzt (sie wird doch wohl nicht krank sein, ich vermisse es fast schon, schreiend die Fenster zuzuwerfen, weil unten »I had a Dream« losorgelt), ihr würde ich die Unterhose gönnen.

Von Pappe und Kathedralen.

Künstler müssen ja nicht wahnsinnig sein oder irre, um einen schwer zu beeindrucken, aber wenn sie ein ganz klein wenig verrückt, oder – wie Omma sagen würde – »bekloppt« sind, dann steh ich drauf. Neulich z.B. ging ein Künstler durchs Netz, der mit Bleistift dermaßen realistisch Fotos nachzeichnete, dass seine Bilder aussahen wie eben große Schwarzweißfotos. Bei solcher Arbeit denke ich zwar: »Nicht übel« und erkennte zungeschnalzend die Schweinearbeit an, aber den Bitumen aus der Kimme haut mir das noch nicht.

Momentan aber zeigt der Neue Kunstverein Wuppertal eine Ausstellung, die mich neulich buchstäblich hat lang auf den Arsch setzen lassen. Ich schaute im Vorbeigehen durch die Fenster der Ausstellungsräume und musste einfach reingehen und diese Bilder mit einer große WTF-Sprechblase über dem Kopf bestaunen. Der Künstler Martin Spengler arbeitet – wenn ich das richtig wiedergebe – folgendermaßen: Er leimt viele Schichten Wellpappe übereinander und schneidet und drückt seine Werke aus der Pappe heraus. Zum Schluss wird noch weiße, leicht lasierende Farbe aufgetragen und die Konturen mit Bleistift oder Edding nachgezogen.

Was dabei herauskommt, ist ein monochromes, überbelichtet wirkendes Relief, das trotz seiner Ein- bzw. Unfarbigkeit so dermaßen lebendig wird, dass man sich davor verlieren muss. Die Ansicht von Athen unten z.B. kommt zwar ohne die Darstellung von Menschen aus, aber je länger man draufschaut, um so mehr hat man das Gefühl, es tut sich was in der Stadt.

Steht man vor den Ausschnitten des Kölner Doms, ist man mindestens ebenso geplättet wie von der ehrfurchtgebietenden Ausstrahlung des Originals. Oder die Achterbahn, die Industrieanlage, das Laub, woah …

Ich könnte ja von jedem seiner Bilder vorschwärmen und weiter in die Tastatur sabbern, aber wenn ihr in der Nähe seid, geht rein und schaut euch das selber an. Wirklich toll. Und ihr werdet bestätigen, dass der Künstler schon ein wenig bekloppt ist. Zitat Michaels Mama: »Unfassbar, watt muss dat fürn Tier sein!« Is gar nicht so’n Tier, aber im Ruhrpott drückt man seine Bewunderung halt etwas drastischer aus. :-)

Die Ausstellung ist übrigens schick verlängert worden bis zum 15. April 2012. Zu Recht.

Hier die Seite des Neuen Kunstvereins Wuppertal

und hier Martin Spenglers Seite (mit den Adressen und Termine der weiteren Ausstellungen – in Remscheid und in Bonn laufen zur Zeit auch noch welche)

Hier zwei Fotos (die nicht mal ansatzweise das Original an der Wand wiedergeben können):