Kommunikation und Fetisch

Paul – der Kind – wächst. Was im Grunde völlig o.k. wäre, wüchsen seine Klamotten mit. Ich bin ja Anhänger der Theorie, dass Schuh- und Textilindustrie schon seit den 50er-Jahren außerirdische Technologie für mitwachsende und wartungsfreie Bekleidung im Giftschrank liegen hat und die geldgierigen Bilderbergerschweine uns das verschweigen, damit wir immer weiter konsumieren. Dagegen sind HAARP und Chemtrails verschwörungstheoretische Fliegenkotze.

Schnauf.

Diese Theorie konnte ich mal wieder untermauern, als wir mit dem Kinde in Wuppertal Skaterschuhe kaufen gingen, weil ohne Skaterschuhe skaten nicht geht und die Dinger aus o.g. Gründen zu klein wurden. Im Ladenlokal einer münsteraner Kette für Rollbretter und Rollbrettfetischzubehör probierte der Kind dann das ein oder andere Paar Schuhe an. Beeindruckend war die Bedienung in der Hinsicht, dass sie Schuhe verkaufen wollte. Das ist zu akzeptieren, aber die Frische der Verkaufsstrategie der jungen Dame ließ die Familie Grafikpolizei erstaunt in die Knie gehen:

Paul: »Die Schuhe hier sehen ja ganz o.k. aus, aber die sind unbequem.«

Bedienung: »Unbequem?«

Paul: »Ja die drücken hier und sind da zu eng, da tut mir beim Laufen der Fuß weh und das ist unangenehm. Geht gar nicht«

Die vermeintliche Fachkraft bewegte daraufhin die lackierten Lippen und hub an wie folgt zu sprechen:

»Na, Hauptsache sie gefallen dir.«

Das ist allerdings ein Argument, das uns die Kreditkarte zücken und alles kaufen lässt, das kneift, zwickt, kratzt, beißt und Körperteile zum Nekrotieren und Abfaulen bringt, solang es nur supi aussieht. Bin ich ja noch nie drauf gekommen. Bisher musste alles passen und gut aussehen, was bedeutet, dass ich mein über Jahre gepflegtes Konsumverhalten anscheinend in Frage stellen muss.

Die Göttinnengleiche und der Kind waren aber anderer Auffassung und erklärten nach Sekunden erstaunter Stille der jungen Klamottenaufdrängerin, dass gerade Kinderfüße in bequemen und passenden Schuhen Platz zu finden und sich auszustrecken hätten und die Heranzüchtung künftiger Modeopfer im Keim erstickt werden sollte, weshalb ihre windige Verkaufstaktik hier fehlgeschlagen sei. Verständnislosigkeit seitens der Bedienung, weil 1. noch kinderlos und 2. offensichtlich der von ihr ausgerufenen Parole selbst ausgiebig huldigend. Eine andere Mutter, deren Sohn ebenfalls Schuhe anprobierte, stimmte der Mutter meines Kindes zu.

Mütter! Blagen! Keine Ahnung von modernem Marketing.

Wir verließen das Brettgeschäft zwar mit passenden Schuhen, aber auch in der Gewissheit, dass hier die interkulturelle Kommunikation nicht zu Stande kam.

7 Gedanken zu “Kommunikation und Fetisch

  1. Geniale Schreibe!
    Weiter so.
    Mir sind da mittlerweile Verkäufer/innen gelegentlich fast lieber die sich überhaupt nicht für den Kunden interessieren. Und mich auch gar nicht ansprechen, denn dann muss ich mich nicht aufregen.

    1. Fotomodels kriegen aber wahrschweinlich reichlich Entschädigung fürs unbequeme Po(us)sieren…und wollen die Klamotten auch nicht kaufen.

      1. Ach komm, viele Frauen haben aber dieses Maso-Gen.
        Ich erinnere mich, dass damals™ in der Schule viele Mädchen Wert darauf gelegt haben, in Röcken und mit ihren nackten Füßen in Cowboystiefeln sexy auszusehen.

        Im Februar.

        Mit blauen Beinen.

        1. Damals? Das ist doch heute noch genauso. Ich möchte nicht wissen, wieviele bauchfreie Mädels es winters an den Nieren kriegen. Wobei … wenn man so betrachtet, was da manchmal an Pölsterchen über den Hüfthosenbund hervorlugt, kann man schon wieder nicht von »bauchfrei« sprechen.🙂

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