Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano …

… so schrieb der römische Satiriker Juvenal vor 1.800 und paar Toten Jahren. Übersetzt bedeutet das Wort:

»Beten sollte man darum, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist sei.«

Damit meinte er nicht den heute geläufigen und falsch übersetzten Begriff, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohne – also wer sich viel bewege und gesund lebe, auch ganz besonders fit im Hirn ist – sondern wollte er vielmehr mit seiner Spitze die viel zu abergläubischen Bürger Roms treffen, die wegen jedem quersitzenden Furz, Grind im Schritt oder knietiefem Dispo mit Fürbitten und Gebeten die Götter anriefen. Sie sollten doch lieber um einen gesunden Geist beten, auf dass sie von diesem Quatsch abließen. Damit spielte er auch und vor allem die sportlichen Vorbilder seiner Zeit an, die seiner Auffassung nach zwar körperlich ganz weit vorn, aber unter der Fontanelle eher schlicht eingerichtet waren.

Womit wir schon beim Thema wären. Juvenal hätte heute auch ganz sicher seinen Spaß, zumal es für ihn nach wie vor im sportlich/geistigen Bereich ordentlich etwas zu tun gäbe. Denn auch im Jahr 2011 vertrauen viele Leistungssportler auf die Hilfe der Götter, diesmal in Form einer ganz besonders ausgeklügelten Geschäftsidee, dem Power-Balance-Armband.

Das Power-Balance-Armband kommt in verschiedenen Formen daher, als Schweißband, Neoprenband oder seiner gängigsten Ausführung in farbigem Silikon. Allen eigen und wichtigster Teil bei allen Bändern ist das simple integrierte »Hologramm« auf Mylarfolie, die mit irgendwelchen »Energiewellen in einem natürlichen Frequenzbereich« behandelt wurden. Was immer das auch sein soll, deutlich lässt sich der Hersteller darüber nicht aus, jedenfalls soll dieses Hologramm den Sinn haben, den Körper vor schädlichen Störungen zu schützen (Erdstrahlen, Chemtrails, HAARP, Handystrahlung, RTL II oder wasweißich).

Man schwurbelt sich auf Herstellerseite in Allgemeinplätzen wie …

Die in fernöstlichen Kulturen jahrtausend alte Erkenntnis, dass unser Wohlbefinden vom natürlichen Energiefluss abhängt, findet auch im Westen zunehmend Akzeptanz. Auf Basis dieser Philosophie entstand
Power Balance™.

… einen zurecht. Das mit den jahrtausend alten Erkenntnissen aus dem Fernen Osten wird ja immer gern genommen, denn es klingt für den Marketingexperten wie für den Esoterikfreund immer positiv, weil:

Eine uralte Tradition, die besagt, dass Hobelspäne aus dem Horn des Nashorns oder der getrocknete Sack vom Tiger ordentlich Tinte auffen Füller gibt, kann ja nicht so ganz schief liegen.

In die gleiche Sparte schießt natürlich Power Balance. Versprochen (bzw. inzwischen in einigen Ländern eben nicht mehr, weil irreführende Werbung) wird quasi eine Leistungssteigerung in Sport und Alltag, vor allem aber wird das Marketing verstärkt über den Leistunggsport betrieben, dabei bedient man sich bekannter Werbeträger:

Andreas Ottl, Piotr Trochowski, Viktoria Rebensburg oder auch Felix Neureuther vertrauen seit langem auf die Trendprodukte von Power Balance™.

Auch laufen David Beckham oder Christiano Ronaldo Werbung für die Neo-Esoterik und bejubeln der Effekt der Gummibänder.

Ordentlich nachgewiesen werden kann eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus natürlich nicht. Das Tragen eines Power-Balance-Hologramms ist eine reine Glaubenssache und nicht effektiver als ein Foto vom Papst oder Arnika-Globuli in D200. Dafür aber topmodern und nicht einmal günstig. Die billig hergestellten Bänder beamen dem Käufer mal eben 35 bis 40 Taler vom eigenen aufs Vertreiberkonto. Was teuer ist, muss ja gut sein. Ein 10er-Satz selbstklebender Einzelhologramme kostet gar 75 Steine. Dafür kann man sich die Teile sonstwohin kleben (Akupunkturpunkte, Brille, Schuhsohlen, Kreditkarte, Chakren, Schniedelwutz oder Mumu), hauptsache in Körpernähe, damit der »Energiefluss« auch ja nicht an die nächstbeste Runkelrübe verspritzt wird, oder schlimmer noch, an den grindigen unsportlichen Nachbarn mit Schorf am Gemächt.

Immerhin bietet Powerbalance bei Nichtgefallen oder Nichtwirkung eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie. Das ist natürlich auch ein schlauer Marketinggriff, denn ist man des wahren Glaubens mächtig, wirkt der Placebo-Effekt wahrscheinlich sogar irgendwie, und 30 Tage sind schnell rum, somit macht man sicher auch trotz Rückläufer einen guten Schnitt, ist das Produkt im Vergleich zum Herstellungswert äußerst teuer. Schön finde ich auch die Warnung auf der Herstellerseite:

In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden zunehmend Fälschungen der POWER BALANCE Armbänder verkauft.
Aus diesem Grund distanzieren wir uns vom Verkauf auf Auktionsplattformen.

Kann man ja machen, aber im Grunde haben die Fälschungen für deutlich weniger Geld die gleiche Wirkung wie das »Original«, nämlich genau keine.

Aber halt!
Es gibt für den geistig gesunden Skeptiker, dem die angebliche Wirkung am Arsch vorbei geht, aber trotzdem ein Modeaccessoire ganz auf der Höhe der Zeit tragen und gleichzeitig ein kluges Statement zu Scharlatanerieprodukten abgeben will, für einen Bruchteil (3,80 Euro oder so inkl. Versand) des Preises vom Power-Balance-Dingsi ein bewusst wirkungsloses Teil:

Das Placeboband!

© skepticbros.com

Die australische Skeptikerseite skepticbros.com hat dieses schöne Armband entwickelt und es ist natürlich keine Fälschung, sondern offensichtlich mit seiner Eigenschaft – PLACEBO – beschriftet, mit dem Zusatz »The Power of belief« und einem schönen Hologramm, das auch keine Wirkung haben soll. Zitat:

Placebo Bands potential is indefinite. Its powers are, quite literally, up to your imagination! Placebo Band is made from high quality surgical silicone and mylar, is completely inert and has absolutely zero side effects* (* those with silicone allergies are advised NOT to use Placebo Band) Unlike similar products Placebo band does not employ any implausible technology in the manufacturing process means we can pass the savings on to you!

Das finde ich so dermaßen gut, dass ich mir direkt 4 Stück geordert habe.

Der Versand aus Australien dauert allerdings etwas, und die Mädels und Jungs kommen kaum mit dem Produzieren nach. Dennoch freue ich mich schon wie Bolle auf meine Placebobands und bin mir sicher: Juvenal hätte – wenn er schon nicht die Teile selbst erfunden – sich kaputtgelacht und eine Kiste davon bestellt.

Darauf ein belebtes Wasser mit Heilsteinen!

2 Gedanken zu “Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano …

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