Mollie und Gürgen 2

Die wundersame Begebenheit um Mollie, Gürgen, ein paar Drucker, diverse andere Leute und mich. Vorgeschichte siehe Mollie und Gürgen.

Also klärte mich Stefan auf, dass er ebenfalls vor mir mit Mollie und Gürgen am Namen und Layout gearbeitet, aber nach wie vor kein Geld bekommen habe, weshalb er ihnen eigentlich auch untersagt habe, den Namen zu benutzen.

»Nee, sorg’ dafür, dass du jetzt an dein Geld kommst, sonst wirst du das nie sehen. Die beiden sind absolut nicht vertrauenswürdig.«

Ach du Scheiße. Das fünfte Magazin stand in der Pipeline, und da ich jetzt vorgewarnt war, sagte ich zu Gürgen, der sich wieder mal winselig wand, weil es um die Kohle ging:
»Gut, ich bin bereit, das nächste Magazin zu machen, wenn du mir einen Teil – wenigstens für die letzten Magazine – des Geldes überweist.«
Winsel Winsel, okay. Freitag Abend schickte mir Gürgen ein Fax des Überweisungsbelegs seiner Bank, das Geld würde in den nächsten Tagen auf meinem Konto sein, aber das Magazin müsse am Montag Morgen in der Druckerei aufschlagen, weil dann der Erscheinungstermin gesichert sei. Sonntag Abend stand Gürgen auf der Matte und holte die CD mit dem Druck-PDF ab, um dieses bei der Druckerei einzuschmeißen. Im Laufe des Montags schaue ich auf das Konto: Nix. Im Laufe des Dienstags schaue ich auf das Konto: Nix. Mittlerweile steigerte sich meine Nervosität. Am Mittwoch rief ich Gürgen an, um zu fragen, warum denn wohl das Geld nicht auf meinem Konto sei. Jaaaaaa, das Finanzamt habe leider wegen eines kleinen Fehlers das Konto sperren lassen und deshalb sei das Geld nicht rausgegangen, aber das würde im Laufe der nächsten Tage erledigt sein. Na sicher, und jetzt war mir endlich nach fast einem Jahr klar: Du wirst nach Strich und Faden verarscht.

Eine Woche darauf stand ich abermals im Büro des »Verlags« und redete mit den beiden über das weitere Vorgehen im Falle »Bezahlung der grafikpolizeilichen Dienstleistungen«. Ach Ach Ach, alles sei schief gelaufen, das Finanzamt gebe das Konto nicht frei, und das Darlehen würde nur bewilligt, wenn ein Bürge dafür seine Hand ins Feuer lege. Ich dachte schon: Die wollen doch wohl nicht etwa mich fragen, ob ich für sie bürge. Nein, man habe gleich zwei gute Bekannte (beide schalteten auch regelmäßig Anzeigen im Heft, und beide hatte ich auch auf diversen Verstaltungen kennengelernt), die für den Verlag bürgen wollten bzw. sollten. In den nächsten Wochen wolle man sich treffen, um die Bürgschaft klar zu machen. Wann denn genau, wollte ich wissen, ich brauchte das Geld. An diesem oder jenen Wochenende, erzählte man mir freudig erregt. Dann ginge endlich alles klar. An eben diesem oder jenen Wochenende rief ich dann Gürgen an, ob sich schon etwas ergeben habe. Nein, jammerte es am anderen Ende, er sei krank und führe erst paar Tage später. Ein paar Tage später also darauf rufe ich also noch einmal an und erreiche Mollie, die mir erzählt, dass Gürgen sich in diesem Moment in #Hmpfstadt mit den beiden träfe und morgen mit allen Unterlagen zurück sei.

Wer ’s glaubt, wird selig. Ich – natürlich Böses ahnend – rufe die beiden an und frage, ob Gürgen schon bei ihnen war.
»Nö, wieso?«
»Na, er wollte doch zu euch fahren mit den Bankunterlagen.«
»Nee, davon wissen wir nix. Welche Unterlagen denn?«
»Na, wegen der Bürgschaft.«
»Was für eine Bürgschaft?«

Ich erkläre die Sachlage und man versichert mir unabhängig voneinander, dass es weder einen Termin gäbe noch jemals die Rede davon gewesen wäre, M’s eine Bürgschaft zu gewähren. Wie man denn auf sowas käme?

Die beiden vermeintlichen »Bürgen« hatten anscheinend direkt nach unseren Gesprächen M’s angerufen, um sie zu fragen, ob sie noch alle Latten am Zaun haben, denn am nächsten Tag geht im Büro das Telefon. Gürgen ist dran und schreit:
»Du hast alles versaut! Das ist deine Schuld, dass wir jetzt baden gehen! Dings und Dings haben angerufen. Glaubst du allen Ernstes, die würden dir erzählen, dass sie für uns bürgen würden? Bist du bescheuert? Deine Schuld … Schuld … grunz … gröl.«
Keine Stunde darauf stehe bei den beiden ich auf der Matte. Sie schlägt mir wutschnaubend ihre Bürotür vor der Nase zu, dass das Kontor wackelt, er bittet mich – wieder runtergekühlt und die Ruhe selbst – in seinen Verschlag und sagt:
»Vielleicht können wir das wieder geradebiegen. Keine Ahnung, wie, aber du kannst das wieder gutmachen, indem du das nächste Heft machst. Umsonst. Und rufe meine Freunde nie wieder an.«
»Umsonst« ist übrigens gut. Schließlich hatte ich die Magazine bis dahin alle mehr oder weniger gratis erstellt. Ich grummele kleinlaut, dass ich darüber nachdenke, nicke und verlasse das Lokal. Die haben sie ja nicht alle, denke ich, rufe im Auto nochmal die Herren Quasibürgen an. Wieder versichern sie mir, nie einer Bürgschaft zugestimmt zu haben. Zurück in meinem Büro setze ich sofort ein Schreiben auf, in dem steht, dass der Vertrag nach dem Verhalten der Verlagsinhaber null und nichtig ist, und ich nicht bereit bin, weitere Hefte zu gestalten, es sei denn, man gebe mir sofort das Geld für die offenen Rechnungen. In diesem Fall würde ich noch einmal darüber nachdenken (in meiner Unterhose natürlich, denn dass ich nie wieder für die arbeiten würde und wollte, war sowas von klar).

Keine Antwort. Zwei Wochen später liegt schon das neue Heft aus. War ja klar. Im Impressum steht der Name der neuen Grafikerin, und mit ein wenig Recherche bekomme ich ihre E-Mail-Adresse heraus und schreibe sie an, ihr zu erklären, wie es um die Zahlungsmoral der Familie M. steht. Sie ist aber in Urlaub und erst nach zwei Wochen meldet sie sich per E-Mail. Meine Warnung hat sie ein wenig erschüttert und hat nun Schiss, dass sie ihre Kohle nicht bekommt. Aber jetzt hat sie halt schon zugesagt, das nächste Heft zu machen, und wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wollte sie das Geld für das erste Heft sehen, bevor sie weitermachte, bekam sie aber nur einen Teil der Rechnung des ersten Heftes bezahlt und sonst nichts, wohl weil Gürgen wieder ein paar traurige Ausreden parat hatte, buhuu. Och, das kannte ich doch irgendwo her. Da sie noch im Studium sei und nebenher Layoutjobs mache, wären Mollie und Gürgen an sie herangetreten mit dem Auftrag, die nächsten Magazine zu machen. Sie fragt mich, ob ich ihr mit ein paar Feindaten aufhelfen könne, da sie fürs letzte Magazin nur alles aus einem Layout-PDF rausholen konnte. Normalerweise mache ich sowas nicht, aber wenn sie schon so lieb bittet … Gürgen hätte ich einen Scheiß gegeben, und das wusste er wohl. Der hatte zwar sowieso von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber ich wäre ihm mit dem nackten Arsch ins Gesicht gesprungen, hätte er die Frechheit besessen, mich nach offenen Daten zu fragen.

Ich schrieb eine Mahnung über die kompletten ausstehenden Beträge, zusammen etwas mehr als 11.000 Euro, zahlbar sofort, ansonsten gäbe ich die Sache zum Amtsgericht. Ein paar Tage später rief mich Gürgen an und winselt wie immer, dass er das Geld nicht habe (klar doch), ob wir nicht eine Ratenzahlung vereinbaren könnten. Klar, sage ich, aber zu meinen Bedingungen. Mit 6 Monatsraten war ich einverstanden und schickte ihm eine entsprechende Vereinbarung, zu unterzeichnen von ihm und seiner Tochter (dass musste sein, weil der Schuppen wie gesagt unter dem Namen der Tochter lief. Ich weiß gar nicht, ob die Tochter damals wusste, auf was sie sich damit eingelassen hatte, das eine Mal, wo ich sie kennen lernte, machte sie den Eindruck einer sehr naiven, sehr blonden und sehr bekifften jungen Frau, die in #Hmpfstadt irgendwas studierte, aber eigentlich mehr oder weniger im dortigen Café Ultrabreit kellnerte. Und dorthin wollte Gürgen nun wieder mit meinen Unterlagen fahren, um die Unterschrift zu holen. Nun, Gerüchte sagen, dass es sowas wie die Post geben soll, aber wenn der Mann unbedingt nach #Hmpfstadt gurken will … meinetwegen. Aus der Geschichte mit den Bürgen bereits vorbelastet, rief ich spaßeshalber einfach nochmal beim Café Ultrabreit an und frug, ob (die Tochter M’s) Nicole Sabine da sei. Nein, sei sie nicht, worum ginge es denn? Ich erzählte, dass ihr Vater ihr Unterlagen zukommen lässt, die ich dringend unterschrieben bräuchte und dass die Sache nicht auf die Lange Bank geschoben werden solle. Sowas macht man nicht, einfach da anzurufen, denn so provoziert man den Anruf der Mutter, die mich einen Tag später beim Abendbrot stört: Es klingelt, ich stehe vom Esstisch auf. Mollie ist dran und sagt mir laut und nachdrücklich, dass ich gefälligst ihre Tochter in Ruhe lassen und nicht noch einmal dort anrufen oder mailen solle, sonst passiere etwas und ich bekäme dann sicher nicht mein Geld. »Erstens hast nicht du zu entscheiden, ob mir mein Geld zusteht oder nicht. Zweitens glaube ich nicht, dass du jemals vorhattest, mich zu bezahlen. Ob ich deine Tochter anrufe oder nicht. Also: Leck’ mich.« sage ich und lege auf. Offensichtlich wollte man verhindern, dass man die Tochter mit den Belangen des »Verlags« behelligte, es gab da wohl Dinge, von denen sie nichts wissen sollte. Wie z.B. die Machenschaften der lieben Eltern.

Ach ja, was mir dabei einfällt: Gürgen erklärte sich zwar bücklings bereit, mit mir über die Ratenzahlung zu sprechen, doch inzwischen hatte ich den Vorgang bereits zu Mahngericht gegeben. Reine Formalität. Aber Gürgen rief mich wieder an und meinte: »Du glaubst doch nicht ernsthaft, ich rede mit dir über eine Ratenzahlung, wenn ich eine Mahnung vom Amtsgericht bekomme.« Also kam er nicht, hatte er auch nie vorgehabt. War ja zu erwarten, und die unterschriebene Vereinbarung kam natürlich nicht.

In der Zwischenzeit hatte ich auf der Suche nach anderen Opfern, und weil ich den hochfrequenten Wechsel der Druckereien in meiner Zeit als Layouter des Magazins seltsam fand, einfach mal die Druckereien im Impressum (damals standen sie noch drin) angerufen und gefragt, ob sie denn auch ihre Flocken bekommen hatten. Nein, hatten sie nicht. Natürlich nicht. Mollie und Gürgen haben Druckereihopping betrieben, indem sie in einer Druckerei drucken ließen, der nächsten schon den Auftrag gaben, die eine nicht bezahlten und beim nächsten Drucker das neue Heft drucken ließen. Ich wusste mittlerweile mindestens von 5 Druckereien, die das feine Pärchen nacheinander verschlissen hatte. Die beiden hatten also weder Layouter noch Druckereien bezahlt, lebten in ihrer Chefetage recht günstig (man flog auch im Laufe des Jahres aus der Bude raus, und jetzt ratet mal, warum) und von den Anzeigenhonoraren mehr oder weniger in Saus und Braus. Man fuhr Leihwagen und aß ständig zu Mittag im Café Ultrabreit, ging hier und dort aus und ein. Ich tat mich also mit zwei Druckern aus der Liste und einem Anwalt zusammen, um zu versuchen, entweder an unser Geld zu kommen, oder wenn nicht M’s und ihren Verlag zur Strecke zu bringen, aber zumindest ein paar Steine in den Weg zu legen.

Die Geschichte geht bald weiter.

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