Oh du schöne Spendensammelzeit.

Im Advent wird ja oft und gerne für den guten Zweck gesammelt. Die Menschen werden warmherziger und sind viel eher bereit, mal ein paar Euro springen zu lassen. Gut fürs Karma so Richtung Heiligabend, und man will ja auch mal irgendwann in den Himmel kommen.

Das wussten auch die zwei Damen, die heute mit etwa zehn Blagen bei uns zu Hause in der Lenneper Altstadt auf der Matte standen, um ein – um es mal so auszudrücken – bemerkenswertes Verhalten an den Tag zu legen, was sich wie folgt zeigte:

Es ist Nachmittag, draußen ist es schon dunkel, der Kind ist allein zu Haus, als es klingelt. Umsichtig, wie der Kind nun mal ist, öffnet er die Haustür nicht per Türdrücker, sondern geht – wir wohnen im dritten Stock – runter, um zu sehen, wer da wohl was will.

Er öffnet also unten die Tür und sieht sich quasi umringt von o.g. zehn Kindern im Grundschulalter, von denen eines eine Sammelbüchse nach vorn streckt und sagt: »Wir sammeln für das Kinderhospiz«. Unser Kind meint: »Äääh…«, dabei drängelt sich einer der Damen nach vorn, ergreift den Türknauf und fragt: »Können wir reinkommen?«. Der Kind antwortet: »Nein, das geht jetzt nicht« und will die Haustür wieder schließen, als die Trulla den Fuß in die Tür stellt und diese mit den Worten »Sooo, die Tür lassen wir jetzt mal schön auf« nach innen aufdrückt und noch sagt: »Die Anderen machen uns bestimmt auf«.

Völlig verdattert muss der Kind zusehen, wie diese ehrenwerten Damen mit dem Haufen Kindern das Haus stürmen, um bei den Mitmietern zu klingeln und diese um Spenden anzugehen. Er läuft hoch und schließt unsere Wohnungstür, um noch mitzubekommen, wie die Meute von oben bis unten durchs Treppenhaus trampelt und irgendwann wieder verschwindet. Nur kurze Zeit später kommt die Mutter nach Hause, die die Gruppe noch am Nachbarhaus vor der Buchhandlung stehen sah, sie für eine Schulklasse hielt und von all dem nichts mitbekommen hat. Der Vater erst recht nicht, weil der noch arbeiten war und sich vorhin erst die Geschichte anhören musste und jetzt entsprechend angestrengt ist.

Der Vater rekapituliert:
Da wurde von Spendensammeltrullas* mal eben ein Kind 1. überrumpelt und 2. im Zuge dessen sich der Zutritt zum Haus erschlichen und dann auch noch versucht, dem Kinde ein schlechtes Gewissen zu machen.

Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie wirkt diese Art, Spenden zu sammeln, auf mich nicht so ganz seriös.

Gerade die Lenneper sollten diesen Text lesen und teilen, vielleicht ist ja bei ihnen morgen auch noch Trulla-Alarm.

* Timo hat gesagt, dass der Ausdruck »Spendensammelultras« auch sehr passend sei. Find ich sogar noch besser🙂

Ein Gedanke zu “Oh du schöne Spendensammelzeit.

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