Waschen. Schneiden. Bringen.

Letzte Woche habe ich mir von meinem Leib- & Magenfrisör mal wieder das graue Haupthaar stutzen lassen.

»Du hast jetzt einen ganz wunderbaren Messerschnitt. Hat nicht jeder.«

»Wow, ein Messerschnitt. Sieht man das?«

»Nö.«

Apropos »Messerschnitt«, wollte ich dann wissen, ob er mir nicht seinen neuen elektrischen Kabinenroller zeigen könne, den er sich vor ein paar Tagen zugelegt hatte.

»Nicht nur das, ich bringe dich auch noch gratis ins Büro«

Das tat er auch, und zwar in dieser flotten Renault-Maschine:

Absolut geiles kleines Spaßmobil, super für die Stadt. Ich kann mir vorstellen, dass bald sehr viele von den Biestern in den Cities rumgurken. Nachteil: im Winter zieht’s ein bisken.

Twizy bei Renault

Suppa Gutt! Das Paradoxon des Tages.

Vorhin saß ich noch am Elberfelder Bahnhof am Bahnsteig und trank meinen verdienten allabendlichen Kakao nach anstrengendem Männekesmalertagwerk, als mein Blick auf einen neben mir liegenden Frisörkettenflyer des Unternehmens Super Cut fiel. Ich war erstaunt, und nicht zu knapp.

Wem der anwesenden Profis und ambitionierten Hobbygestalter fällt der Widerspruch, die Diskrepanz, ach was, die Antithese zum Unternehmensnamen innerhalb der Gestaltung auf? Na?

Melli beim Frisör.

Dieser Text hat erstmal eine Vorgeschichte:
Es ist schon ein paar Monate her, als eine der Azubienen aus unserer Bürogemeinschaft die Herde verließ, um in der großen weiten Welt ihr Glück zu suchen. Zum Abschied legte sie jedem ein Ferrero-Küsschen an den Arbeitsplatz sowie einen Zettel mit dem Text »Danke für die schöne Zeit, Melli« und einem danebengemalten Herzchen.
Ich kam Samstags ins Büro, fand die Dankesgabe, freute mich, fraß das Praliné und steckte den Zettel irgendwann gedankenverloren in meine Hosentasche und vergaß ihn auch bald.
Bis die Göttinengleiche die Wäsche machte.
Ich saß im Zug nach Wuppertal, als das Telefon klingelte. Ich ging ran und erschauerte schier ob der eisigen Kälte, die aus dem Lautsprecher in mein Ohr kroch:
»Wer ist Melli?«
»Wie ’Wer ist Melli‘? Watt für ’ne Melli?«
Pause.
»’Danke für die schöne Zeit, Melli‘!«
Pause.
Ach so. Ja, den Zettel hatte ich ganz vergessen. Jetzt war Kumi aber in Erklärungsnot:
»Ach sooo. Nee Nee, Süße, die Azubiene Melli hat zum Abschied jedem von uns diesen Zettel hingelegt. Ist keine heimliche Gespielin. Echt jetz. Ehrlich … Hallo?«
»Soso.«
»Ja doch.«
»Na gut.«
Mit ein paar wohlgemeinten Warnungen ihrerseits, was passieren würde, betröge ich die Göttinengleiche, war das Thema dann auch vom Tisch.

Bis ich vorletzten Samstag einen Frisörtermin hatte, Kind und Kegel mitschleppend. Mein Freund Michael, der Frisör, ist ein lieber, aber rotzfrecher Knubbel, der mit seiner Frau einen großen, sehr beliebten Salon in Wuppertal betreibt. Beim Schneiden also kamen wir auf diverse Peinlichkeiten und Missverständnisse zu sprechen, die in Beziehungen so passieren können. In dem Zusammenhang erzählten wir dann auch den Fall »Melli«. Frau Kumi sagte dann:
»Ich sag dir, wenn ich herausfände, dass mein Mann eine Geliebte hat, nähme ich mir auch gleich den ein oder anderen knackigen Kerl.«
Da dreht sich Michael zu ihr um und sagt furztrocken:
»Dich nimmt doch eh keiner mehr.«
Einige Sekunden Schweigen im Salon. Die Gesichtszüge meiner Frau gleiten kurz ent. Bis ich dann in Gelächter ausbreche, weil Michael eigentlich immer und bei jedem solche Klopper bringt, auch wenn Frau Kumi auf seinem Stuhl sitzt und ich das Opfer bin. Aber man kann dem Arsch einfach nicht böse sein, dafür ist er zu nett und zu großzügig.

Und das bringt mich zu einer Situation, die ich mit ihm vor etwa 6 Jahren beim Chinaimbiss gegenüber erlebte: